Trotz erheblicher Herausforderungen durch einen Bus- und Bahnstreik, der insbesondere Hamburg und den Süden des Kreises Stormarn betraf, war unsere diesjährige Ausbildungsmesse am BBZ Ahrensburg ein großer Erfolg. Dank der kurzfristigen Unterstützung durch die Fahrbereitschaft der Bundeswehr sowie die Busunternehmen Autokraft und Elite konnten rund 350 Schülerinnen und Schüler aus Glinde, Barsbüttel, Reinbek, Oststeinbek und Umgebung dennoch sicher zur Messe und wieder zurückgebracht werden. Insgesamt sieben Sonderbusse machten die Teilnahme möglich.
Rund 1.300 Schülerinnen und Schüler nutzten zwischen 8:30 Uhr und 13:30 Uhr die Gelegenheit, sich auf dem Gelände des BBZ Ahrensburg direkt bei Unternehmen über Ausbildungsberufe, Praktika und Karrierewege zu informieren. An den Ständen von insgesamt ca. 100 Betrieben standen persönliche Gespräche, Mitmachaktionen und erste Kontakte im Mittelpunkt – mit dem Ziel, konkrete Perspektiven für Ausbildung oder Praktikum aufzuzeigen.
Die ausstellenden Unternehmen waren überwiegend Dualpartner des BBZ Ahrensburg. Ergänzt wurde das Angebot durch Institutionen des öffentlichen Dienstes wie Landespolizei, Kreisverwaltung Stormarn, Agentur für Arbeit und Bundeswehr sowie Einrichtungen aus dem Gesundheits- und Pflegebereich. Vor dem Haupteingang präsentierte sich zudem der Katastrophenschutz mit einem Aufruf zum ehrenamtlichen Engagement unter dem Motto „Mach dich stark für Stormarn“.
Unterstützt wurde die Ausbildungsmesse erneut von zahlreichen regionalen Partnern, darunter die Kreishandwerkerschaft Stormarn, die Industrie- und Handelskammer zu Lübeck, die Handwerkskammer Lübeck, die Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn, der Kreis Stormarn als Schulträger sowie der Förderverein des BBZ Ahrensburg.
Ein besonderes Highlight stellte in diesem Jahr die Begleitung der Messe durch Influencerin und Schreinerin Mara Pischl dar. Sie führte Gespräche mit Besucherinnen und Besuchern sowie mit den ausstellenden Betrieben. Auf ihrem Instagram-Kanal #meetmybuildingsite gibt sie Einblicke in die vielfältigen Ausbildungsmöglichkeiten im Handwerk.
Neben der Messe boten Lehrkräfte des BBZ Ahrensburg geführte Schulrundgänge an, bei denen die moderne Ausstattung von Unterrichtsräumen, Laboren und Werkstätten sowie der Einsatz digitaler Technologien im Berufsalltag vorgestellt wurden. Ergänzt wurde das Programm durch sogenannte „Info-Snacks“ mit Kurzvorträgen zu Ausbildung und Bewerbung, zahlreiche Mitmachaktionen – etwa Arbeiten mit Rohrbiegemaschine, Presszange, Laser oder 3D-Druck – sowie Gewinnspiele und Praktikumsverlosungen.
Zum Gelingen der Veranstaltung trugen zahlreiche helfende Hände bei: Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler, das multiprofessionelle Team, Hausmeister, Sozialpädagoginnen sowie die Mitarbeiterinnen des Schulkiosks sorgten gemeinsam für einen reibungslosen Ablauf. Die Besucherinnen und Besucher wurden mit Laugenstangen und einem Getränk begrüßt. Die Popcorn-Maschine, der Waffelstand und die Fotobox waren weitere Hotspots.
Im Rahmen einer Pressekonferenz betonten Vertreterinnen und Verteter aus Schule, Wirtschaft und Verwaltung die große Bedeutung der Ausbildungsmesse für die Fachkräftesicherung in der Region. Schulleiter Johannes Kahlke hob hervor, dass die Veranstaltung das Ergebnis einer rund einjährigen Vorbereitungszeit sei. Trotz des Busstreiks habe die Anreise der Jugendlichen gesichert werden können. Daher richtete er ein großes Dankschön an die Fahrbereitschaft der Bundeswehr, an die Busbetriebe Autokraft und Elite sowie an den Förderverein des BBZ. Ziel der Messe sei es, junge Menschen frühzeitig mit regionalen Unternehmen zusammenzubringen und konkrete Perspektiven für Ausbildungs- und Praktikumsplätze zu schaffen. Gleichzeitig wurde das Ausstellerfeld erweitert und die Öffentlichkeitsarbeit intensiviert, sodass neben Schulklassen auch einzelne Ausbildungs- und Arbeitssuchende sowie Eltern den Weg zur Messe fanden.
Tanja Günther, Berufsberaterin der Agentur für Arbeit am BBZ Ahrensburg, begleitet insbesondere Abschlussklassen beim Übergang von der Schule in Ausbildung oder weiterführende Bildungswege. Sie betonte die Bedeutung eines starken Unterstützungsnetzwerks aus Berufsberatung, Bildungsbegleitung, Jugendaufbauwerk, Sozialpädagoginnen, Schulpsychologin und Lehrkräften. Angesichts der Vielzahl beruflicher Möglichkeiten stünden viele Jugendliche heute vor komplexen Entscheidungen. „Gerade deshalb ist eine intensive Begleitung bei der Berufsorientierung so wichtig“, erklärte Günther und bezeichnete die duale Ausbildung als stabiles Fundament für einen erfolgreichen beruflichen und persönlichen Lebensweg.
Carsten Reichentrog, Leiter des Fachbereichs Jugend und Schule im Kreis Stormarn und stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrats des BBZ, überbrachte die Grüße von Landrat Dr. Henning Görtz und bedankte sich ausdrücklich für die sehr gute Organisation der Messe. Aus Sicht des Schulträgers sei das BBZ ein moderner und innovativer Bildungsstandort mit vielfältigen Bildungswegen. Besonders hob er die Bedeutung für die regionale Wirtschaft hervor: „Für den Kreis Stormarn ist es entscheidend, jungen Menschen Zukunftswege in ihrer Heimatregion zu eröffnen.“ Unternehmen könnten hier dringend benötigte Nachwuchskräfte gewinnen und gleichzeitig ihre Abwanderung in andere Regionen verhindern.
Auch Ulf Hahn von der Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn würdigte die Messe als gelungenes Beispiel praxisnaher Berufsorientierung. „Unsere Wirtschaft benötigt sowohl gut ausgebildete Fachkräfte in den Betrieben als auch studierte Fachkräfte“, betonte Hahn. Eine frühzeitige Orientierung helfe Jugendlichen dabei, ihren individuellen Weg zwischen Ausbildung und Studium zu finden. Die Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft präsentierte auf der Messe unter anderem die Plattform „Praktikum Hansebelt“, die Jugendlichen den Zugang zu regionalen Praktikumsplätzen erleichtert.
Influencerin und Schreinerin Mara Pischl versteht ihre Arbeit in den sozialen Medien als Brücke zwischen Handwerk und den Jugendlichen. Als Content-Creatorin wolle sie Jugendliche dort erreichen, wo sie sich täglich informieren und austauschen. Ihr Ziel sei es, Interesse für handwerkliche Berufe zu wecken und realistische Einblicke in den Berufsalltag zu vermitteln. Die gelernte Schreinerin arbeitet in einer Bauschreinerei und berichtet offen über ihre Erfahrungen in einem traditionell männerdominierten Berufsfeld. Es sei nicht immer leicht gewesen, sich als Frau zu behaupten, räumte sie ein. Frauen brächten aber häufig andere Perspektiven und Herangehensweisen in Arbeitsprozesse ein, was letztlich zu besseren Ergebnissen führen könne. Bei ihren ersten Gesprächen mit Auszubildenden bei den Tischlern und den Kfz-Mechatronikern, erhielt Pischl durchweg positives Feedback zum Unterricht im BBZ Ahrensburg. Von den Auszubildenden seien besonders die moderne und innovative Ausstattung der Werkstätten, die hochwertigen Maschinen und Materialien sowie ein zeitgemäßer, praxisnaher Unterricht durch die Lehrkräfte gelobt worden.
Marcus Krause, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Stormarn, zog ein durchweg positives Fazit. Die Ausbildungsmesse am BBZ Ahrensburg habe sich inzwischen zur größten Veranstaltung dieser Art im Kreis entwickelt. Besonders erfreulich sei, dass zunehmend junge Frauen handwerkliche Berufe ergreifen und häufig zu den leistungsstärksten Auszubildenden zählen. Entgegen dem bundesweiten Trend sei im Kreis Stormarn zuletzt sogar ein Anstieg der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Handwerk um rund fünf Prozent zu verzeichnen.
Jana Gisdepski, Bildungsreferentin der Industrie- und Handelskammer zu Lübeck, unterstrich ebenfalls den hohen Bedarf an qualifizierten Nachwuchskräften: „Unternehmen suchen dringend junge Menschen, die sich für eine berufliche Ausbildung entscheiden.“ Mit der bundesweiten Kampagne #KÖNNENLERNEN wolle die IHK die Attraktivität der dualen Ausbildung stärken. Ein für die IHK entwickeltes digitales Analysetool ermittelte, dass in Schleswig-Holstein 97.000 Fachkräfte bis zum Jahr 2035 fehlen könnten.
Schulleiter Johannes Kahlke verwies auf die besondere wirtschaftliche Struktur des Kreises Stormarn. In der Region seien zahlreiche international erfolgreiche Unternehmen und Weltmarktführer im metallverarbeitenden Bereich ansässig. Daher sei es entscheidend, die schulische Ausbildung der Auszubildenden vor Ort zu gewährleisten. Nur so könnten junge Menschen sowie Ausbildungsbetriebe dauerhaft an den Standort gebunden werden. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass Auszubildende für ihre schulische Ausbildung in benachbarte Regionen abwanderten. Abschließend betonte Schulleiter Johannes Kahlke die gesellschaftliche Bedeutung beruflicher Bildung: Eine erfolgreiche Ausbildung sichere nicht nur individuelle Lebensperspektiven, sondern stärke auch Wirtschaft, Gesellschaft und Demokratie.
Der Termin für die Ausbildungsmesse im kommenden Jahr steht bereits fest: 26. Februar 2027 – die Vorbereitungen beginnen zeitnah.























